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Tomás Saraceno How to Entangle the Universe in a Spider/Web?, 2020 © Photography by Studio Tomás Saraceno, 2020

24.09.2020

Tomás Saraceno: Songs for the Air

25. September 2020 bis 31. Januar 2021

Mit dem »Block Beuys« gilt das Hessische Landesmuseum Darmstadt als einer der wichtigsten Orte für zeitgenössische Rauminstallation. Das Museum plant daher ab 2020 regelmäßig zeitgenössische Performance- und Installationskünstler*innen einzuladen, um in dem 450 Quadratmeter umfassenden Großen Saal dem Beispiel Joseph Beuys’ zu folgen und ein raumbezogenes Werk zu schaffen. Ziel ist es, den »Block Beuys« neu zu kontextualisieren und in die Diskussion zu bringen.

Anlässlich seines 200. Geburtstags lädt das Museum den international gefeierten, in Argentinien geborenen und in Berlin lebenden Künstler Tomas Saraceno ein, der sich intensiv mit der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft beschäftigt. Das Hessische Landesmuseum Darmstadt ist eines der größten Universalmuseen der Welt und bildet somit für Saracenos interdisziplinare Arbeit eine ideale Plattform.

Die Einzelausstellung Tomás Saraceno: Songs for the Air ermöglicht den Besucher*innen neue Formen der Begegnung: Mit innovativen Technologien werden in der Ausstellung die Verbindungen zwischen Mensch und Umwelt sichtbar und neue Formen der Partizipation möglich, die unser Bewusstsein für ein Miteinander und den sozialen Wandel schärfen. Saraceno nimmt dabei eine Aktualisierung von Beuys’ bekanntem Diktum »Jeder ist ein Künstler« vor und beleuchtet, wer und was unseren Planeten teilt und wie persönliche und kollektive Handlungen hervorgebracht werden können. Die Ausstellung verfolgt somit das wichtigste Anliegen des Künstlers: Ausstellungen zu schaffen, die weder zeit- noch ortsspezifisch sind und die weit über die Grenzen des Museums hinausweisen.

Die COVID-19 Krise hat gezeigt, dass Katastrophen, die sowohl einem Virus, der Umweltverschmutzung oder einem Krieg geschuldet sein können, ein gesellschaftliches Zusammenrücken und gemeinschaftliches Handeln erfordern. Dies schließt sowohl Menschen unterschiedlicher Herkunft, aber auch Lebewesen anderer Arten ein. Unser gesteigertes Bewusstsein für die Luft und ihre Bestandteile befördert einen Umweltrassismus zutage, der vielen kausalen Zusammenhangen geschuldet ist und an zahlreichen Schauplatzen ausgefochten wird. Die auditive Installation Songs for the Air, die eigens für das Hessische Landesmuseum Darmstadt entwickelt worden ist, wird einzelnen Bestandteilen der Luft eine Stimme verleihen — darunter auch Feinstaubpartikel der Größe PM2.5 und PM10. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gehen jährlich 4.2 Millionen Tode auf die Folgen von Luftverschmutzung zurück, wobei Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen dabei am häufigsten betroffen sind. Wie Achille Mbembe beschrieb, hat die »lange Herrschaft des globalen Kapitalismus ganze Teile der Weltbevölkerung und Völkergruppen dermaßen eingeschränkt, dass sie dauerhaft ein Leben in Unterdrückung verbringen müssen.« Mit seinem Blick auf Körper und Kräfte in der Luft richtet Saraceno unsere Aufmerksamkeit auf die Differenzen der Luftqualität, die oftmals unversöhnlich ortsabhängig ist.

In seiner Arbeit mit den von ihm begründeten Communities Aerocene und Arachnophilia sucht Saraceno nach einer Zukunft für alle Dinge, die ohne Grenzen, fossile Brennstoffe und ausbeuterische, kolonialistische oder kapitalistische Ziele auskommt, die uns voneinander trennen. In digitalen Arbeiten wie der Arachnomancy App oder der Aerocene App lädt der Künstler dazu ein, uns über technologische Hilfsmittel direkt mit der Welt zu verbinden und bringt die Erfahrung der Ausstellung so auch auf unsere Smartphones und nach Hause. In beiden Applikationen geht es um ein kollektives Handeln. Er kommentiert dazu: »Aktuell haben sich unsere Prioritäten verkehrt: während das von fossilen Brennstoffen angeheizte Kapital scheinbar grenzenlos fließen kann, werden Menschen und mit ihnen unsere Empathie und unser Zusammenhalt an Landesgrenzen aufgehalten.« Saraceno erinnert uns daran, dass die Luft, die allein von natürlichen Energien wie dem Wind, der Sonne und dem Wetter bestimmt wird, keine Grenzen kennt. Die Luft gehört niemandem und kann von allen genutzt werden.

Dabei verweist Saraceno auch auf das weltweite Insektensterben, das als Teil des sechsten Massensterbens auf die Verbreitung von Glyphosat und anderen Pestiziden, den Verlust von Lebensraumen und den Klimawandel zurückgeht.

Unter weiteren Arbeiten ist auch How to Entangle the Universe in a Spider/Web?, für die Tomas Saraceno einen innovativen und international anerkannten tomographischen Laser mit Wissenschaftler*innen der Technischen Universität Darmstadt entwickelt hat. Dieser ermöglicht 3D Scans und die Erstellung digitaler Rekonstruktionen von Spinnennetzen. Dank dieser Technik und den dadurch ermöglichten Einblicken in die Architektur der Netze von wirbellosen Lebewesen können Erkenntnisse über das Gruppenverhalten der Lebewesen, ihre Biomasseverteilung und sowie netzwerktheoretische Erkenntnisse gewonnen werden. Das gesamte digitale Archiv ist online unter Arachnophilia.net abrufbar. Living at the Bottom of the Ocean of Air dokumentiert das Atemverhalten der Wasserspinne Agryoneta aquatica wahrend Webs of At-tent(s)ion veranschaulicht, wie unterschiedliche sensorische Welten aufeinander kommen und neuartige Architekturen hervorbringen, die unsere Vorstellung über die Beziehungen und Kommunikation zwischen unterschiedlichen Arten anregen sollen.

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt freut sich, ab September Tomas Saraceno in den historischen Raumen willkommen zu heißen und mit ihm die Möglichkeiten der zeitgenössischen Kunst neu auszuloten.

Die Ausstellung bildet den Auftakt der Reihe »Carte Blanche« und wird zudem die erste Ausstellung des international erfolgreichen Künstlers Tomas Saraceno in der Rhein-Main Region sein.

Kurator:
Dr. Martin Faass

Mit freundlicher Unterstützung von
Medienpartner

Pressekontakt:

Yvonne Mielatz-Pohl (Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1
64283 Darmstadt

Tel.: +49 (6151) 3601-300

E-Mail: presse@hlmd.de

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Die Haupthalle im Eingangsbereich des Hessischen Landesmuseums

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