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Blätterführende Mergellage in der Kiesgrube Entrischenbrunn. Foto: M. Sachse, 23.4.2020

DFG Projekt 523893203

Strukturelle Veränderungen von Pflanzen-Insekten Interaktionen während des mittleren Miozäns in der Oberen Süßwassermolasse (OSM)

Im süddeutschen Tertiärhügelland befinden sich Dutzende aktive Sand- und Kiesgruben, in denen immer wieder fossile Blattvergesellschaftungen zu Tage treten. Die besonderen tektonischen und sedimentologischen Verhältnisse des Molassetroges können somit eine räumliche und zeitliche Erfassung der Vegetationsstrukturen ermöglichen. Denn einerseits ist eine Abnahme des Strömungsregimes und somit der Korngröße von Ost nach West, andererseits eine Abnahme des Alters durch das Abtauchen der Ablagerungen nach Süden nachweisbar. Faziell ist hierbei ein zeitlicher Wechsel des Strömungsregimes von einem verflochtenem zu einem mäandrierendem Flußsystem zu beobachten.

Die hier behandelten sechs datierten Auwaldfloren mit insgesamt etwa 16.000 erfassten Blättern decken ein Zeitintervall von vor etwa 16 Millionen (Burtenbach) bis 12 Millionen Jahren (Aubenham) ab und erfassen somit das mittelmiozäne Klimaoptimum mitsamt der nachfolgenden Abkühlungsphase ab. Diese macht sich durch das sukzessive Verschwinden immergrüner Elemente bemerkbar. Neben den Temperaturveränderungen spiegeln sich auch – möglicherweise klimatisch bedingte – Unterschiede in der Grundwasserverfügbarkeit in den Florenvergesellschaftungen wider. So zeigt Entrischenbrunn – von Populus mutabilis, einer der heutigen Euphratpappel nah verwandten Form, dominiert – eine deutlich trockenere Prägung als Unterwohlbach, eine etwas jüngere, nah gelegene Fundstelle.

Blatt von Populus mutabilis mit Fraßspuren, Gallen, Ei-Gelegen und Spuren von Pilzbefall. (Ent 891, Sammlung A. Gröger, München). © Sammlung A. Gröger

Die Erfassung des Schadbefalls der Blätter kann zusätzliche Hinweise zu den dynamischen Veränderungen des damaligen Ökosystems liefern – über Insekten-Pflanzen-Interaktion sowohl über pathogene Strukturen verursacht durch sonstige Stressfaktoren. Die hierdurch erworbenen Kenntnisse könnten hierüber hinaus hinsichtlich notwendig werdender stabilisierender landesplanerischer Maßnahmen angesichts der derzeitigen Entwicklung hin zu einem Tertiärklima einen wertvollen Beitrag leisten.

Geplant ist über die folgenden 3 Jahre zunächst die photographische und taxonomische Erfassung der Blätter, soweit noch nicht geschehen. Anschließend werden die Fraßspurtypen katalogisiert und statistisch ausgewertet.

Das Projekt wurde vom Hessischen Landesmuseum Darmstadt initiiert und wird von der DFG finanziert (GZ: WA 1492/17-1). Hierbei wird auf Sammlungen am Naturmuseum Augsburg, der Bayrischen Staatssammlung für Paläontologie in München, sowie verschiedene Privatsammlungen zurückgegriffen.

Projektverantwortlich am Landesmuseum:

Prof. Dr. Torsten Wappler

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Die Haupthalle im Eingangsbereich des Hessischen Landesmuseums

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