Im April 1970 installierte Joseph Beuys (1921-1986) »Block Beuys« im Hessischen Landesmuseum Darmstadt. 2020 feiern wir das 50-jährige Jubiläum dieses weltweit größten, erhaltenen Werkkomplexes und zeigen mit Filmen, Fotos und Partituren, wie Beuys Objekte aus »Block Beuys« in Aktionen einsetzte.

Die Ausstellung beleuchtet den Zusammenhang ausgewählter Werke und exemplarischer Aktionen: 1963 organisiert Professor Beuys das Gastspiel von »FESTUM FLUXORUM FLUXUS« an der Kunstakademie Düsseldorf. 1964 geht ein Foto von ihm mit blutender Nase nach einem Tumult auf dem »Festival der neuen Kunst« an der Technischen Hochschule in Aachen durch die Presse und macht ihn auf einen Schlag berühmt. 1965 führt er statt einer Eröffnungsrede in der Düsseldorfer Galerie Schmela vor, »wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt«. Es folgen 1966: »Infiltration Homogen für Konzertflügel, der größte Komponist der Gegenwart ist das Contergankind« »Filz TV« und »MANRESA«. Die Ausstellung stellt zudem »Hauptstrom FLUXUS« und »EURASIENSTAB«, beide 1967, sowie »Celtic«, 1970, Beuys‘ Auftritt in László Glózers Filmessay »Wie modern ist moderne Kunst«, 1971, und sein Friedenslied »Wir wollen Sonne statt Reagan«, 1982, vor.

»Block Beuys« ist gleichzeitig Paradebeispiel der Geburt des bundesdeutschen Kunstmarktes von internationalem Rang: 1967 übernahm der Darmstädter Industrielle Karl Ströher auf Vermittlung von Franz Dahlem und Heiner Friedrich 1967 alle Werke aus Joseph Beuys‘ Ausstellung im Museum Mönchengladbach. Er sicherte sich über Jahre Zugriff auf die weitere Produktion und verpflichtete sich, alle Werke geschlossen öffentlich auszustellen. 1968 erwarb Ströher die umfangreiche Pop Art-Sammlung des New Yorker Versicherungsmaklers Leon Kraushar. Nach einer zweijährigen Ausstellungstournee übergab Ströher seine Sammlung als Dauerleihgabe und machte Darmstadt zum Ort der Avantgarde.

Zum Jubiläum erinnern Dokumente an Entstehung und Veränderung dieses singulären Werkes. Als prominente Leihgaben sind Abisag Tüllmans gesamte Fotoserie »Titus Andronicus / Iphigenie«, 1969, und »kleines Kraftwerk«, das 1984 bis 1987 in Raum 3 von »Block Beuys« zu finden war, im HLMD zu sehen.

Der durch seine Anlage nicht barrierefreie »Block Beuys« wird durch einen Film dokumentiert. Integriert wird eine Serie von Interviews mit Zeitzeugen wie Götz Adriani, Franz Dahlem, Heiner Friedrich, Hans-Martin Schmidt und Günter Schott.

»Block Beuys« besteht heute aus 290 Objekten aus den Jahren 1949 bis 1972. Darunter sind raumgreifende Installationen und ikonische Werke. In sieben Räumen schuf Beuys ein faszinierendes Künstlermuseum im Museum. Es ist eine einzigartige Schule des Wahrnehmens und Wunderns. Er arrangierte seine Werke ohne Beschriftungen. Erleben war ihm wichtiger als Verstehen. Die Rätselhaftigkeit verstand er als Aufforderung zum intuitiven Weiterdenken.

Seine Werke nannte Beuys »Vehikel« oder auch »Fahrzeug«. Sie waren Transporter seiner Ideen. »Block Beuys« ist ein Lagerplatz im Sinne eines Energiespeichers. Für den Batteriegedanken stapelte Beuys Filz und Kupfer als Vorrat geistiger Wärme und Kreativität. Arbeiten tragen unter anderem Titel wie »Sender«, »Elektrode«, »Batterie«, »Aggregat« oder »Fond«. Selbst den Namen »Block Beuys« kann man als Kraftwerk verstehen. Damit stellt er noch heute nicht nur unsere Vorstellung von Kunst, sondern auch unsere Idee von Museum auf die Probe.

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Veranstaltungsort

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Galerie der Kunst nach 1945
Friedensplatz 1
64283 Darmstadt


Kuratorin

Dr. Gabriele Mackert
T 06151 1657-012


Laufzeit

14. Februar bis 20. September 2020


Trailer zur Ausstellung


MONOPOL

Podcastfolge zur Ausstellung mit Chefredakteurin Elke Buhr


Rahmenprogramm

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