Kunst und Kulturgeschichte
Glasmalerei

Die Sammlung der Glasmalerei im Hessischen Landesmuseum Darmstadt zählt international zu den ältesten und renommiertesten Glasmalereisammlungen. Ihre Anfänge liegen im umfassenden Sammelinteresse des Darmstädter Landgrafen Ludwig X., nachmaligem Großherzog Ludewig I. von Hessen und bei Rhein, begründet. Mit dem Erwerb der Sammlung des Kölner Barons von Hüpsch im Jahr 1805 kamen vermutlich die ersten Glasgemälde rheinischen oder kölnischen Ursprungs in die Darmstädter Sammlung. Noch bevor Großherzog Ludewig I. im Jahr 1820 seine Sammlung der Öffentlichkeit in einer Stiftung übergab, gelangten bedeutende Glasmalereikomplexe ins Museum: der typologische Zyklus aus der Ritterstiftskirche St. Peter zu Wimpfen im Tal (1280-90) und aus der Partenheimer Pfarrkirche (1440). Viele weitere Werke stammen somit ursprünglich aus Kirchen und Klöstern, die im Rahmen der Säkularisation im 19. Jahrhundert aufgelöst wurden.

Aus der Sammlung hervorzuheben sind der strenge hieratische Kopf eines Heiligen aus dem Kloster Lorsch, die älteste erhaltene Glasmalerei Europas sowie ein Medaillon mit der Halbfigur eines Engels aus dem rheinischen Kunstkreis um 1250. Von herausragender Bedeutung sind ebenfalls die Scheiben des Straßburger Glasmalers Peter Hemmel von Andlau um 1480 aus Salzburg. Aus dem 16. Jahrhundert schließen sich in Grisaille bemalte Kabinettscheiben an, aus dem 17. Jahrhundert Zunftscheiben aus Straßburg. Im 19. Jahrhundert fand die Glasmalerei und Kunstverglasung den Weg ins bürgerliche Heim, wo ihre Bilder für die Einstimmung in die private Sphäre sorgten und vor der Außenwelt abschirmten. Die zeitgenössische Szene der Glasmalerei ist u.a. mit Werken von Georg Meistermann, Ludwig Schaffrath und Johannes Schreiter vertreten.

Das Phänomen der Glasmalerei besteht darin, dass anders als bei der Wand­, Tafel­ oder Buchmalerei das Glasbild nicht einfach durch Farbe auf kompaktem Malgrund entsteht. Das Glasbild ist als ein vielschichtiges, aber transparentes Medium anzusehen, weil der Malgrund farbiges, durch Bleiruten zusammengehaltenes Glas darstellt, auf dem opake Braun­ oder Schwarzlotmalerei als Konturlinien und flächige Überzuglasuren in einer Art negativer Technik aufgetragen sind. Besonders die mittelalterliche Monumentalglasmalerei wurde als besonders vollkommene Gattung der Malerei angesehen, da sie die Leuchtkraft des hindurchscheinenden natürlichen Lichtes äußerst eindrucksvoll zur künstlerischen Gestaltung zu nutzen vermag.

Glasmalerei

Glasmalerei

Thronende Muttergottes aus einem Thron-Salomonis-Fenster, aus der Karmeliterkirche zu Boppard, um 1440

Glasmalerei

Hl. Georg im Kampf mit dem Drachen, aus der Pfarrkirche zu Neckarsteinach, 1483

Glasmalerei

Flucht nach Ägypten und der zwölfjährige Christus im Tempel, Glasmaler Meister Johannes, aus der Kreuz-(Dreifaltigkeits-)Kapelle des Stiftes, Rhein/Steiermark, um 1406

Glasmalerei

Dreipaß mit Drachen, aus der Freisinger-Kapelle in Klosterneuburg/Niederösterreich, um 1400

Glasmalerei

Muttergottes und Hl. Georg, aus der Pfarrkirche zu Ersheim/Neckar (?), Oberrhein, nach Entwurf von Hans Baldung Grien (Werkstatt), um 1517 (mit späteren Ergänzungen)

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