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Else Mögelin, Wandbehang »Ernte« [Ausschnitt], 1956, Wolle, H: 422 cm, B: 352 cm, Stiftung des Sonderbaufonds der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main, Foto: L. Breidert, HLMD © Hessisches Landesmuseum Darmstadt

01.07.2026

Wiederentdeckt!

Textile Bilder für das Hessische Landesmuseum Darmstadt

09. Juli bis 04. Oktober 2026

Mit vier großformatigen Bildteppichen zog in den 1950er Jahren die Moderne in das Haupttreppenhaus des Hessischen Landesmuseums Darmstadt ein. Erstmals nach über 50 Jahren werden sie nun in einer Kabinettausstellung im Oberlichtsaal, zusammen mit den erhaltenen Entwurfszeichnungen, wieder zu sehen sein.

1954: Die Sanierungsarbeiten an dem im 2. Weltkrieg schwer beschädigten Hessischen Landesmuseum Darmstadt nähern sich langsam ihrem Ende. Zur Ausschmückung des Haupttreppenhauses sollen auf Wunsch von Erich Wiese, Direktor des Museums von 1950 bis 1959, vier großformatige zeitgenössische Wandteppiche in Auftrag gegeben werden. Seine Idee war, »daß (sic!) man 2 mehr dem Gegenstand verbundene und 2 im Abstrakten schaffende Künstler heranzöge, die vom Format abgesehen, volle Gestaltungsfreiheit haben sollen.«

Von Anfang an gesetzt waren zwei bekannte und arrivierte Textilkünstlerinnen: Else Mögelin und Johanna Schütz-Wolff. Nach einiger Überlegung kamen hinzu: Fritz und Inge Vahle und Fritz Winter als eher abstrakt arbeitende Künstler. Es gelang Wiese, den damaligen Finanzminister von dem Vorhaben zu überzeugen und eine Finanzierung aus den Mitteln des Sonderbaufonds der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main sicherzustellen. 1955 konnte er Kontakt zu den Künstlerinnen und Künstlern aufnehmen, die alle begeistert zusagten. Ihre im gleichen Jahr eingesandten Entwürfe wurden einer Jury vorgelegt, die die endgültige Auswahl übernahm.

Ursprünglich geplant war die Hängung 1956 zum 50. Jubiläum der Eröffnung des von Alfred Messel errichteten Museumsbaus und tatsächlich wurden alle Wandbehänge rechtzeitig fertigstellt. Allerdings verzögerte sich die Sanierung der Gemäldegalerie, die in unmittelbarer Verbindung zum Treppenhaus stand, bis 1958. Erst im Mai konnten diese Räume eröffnet werden und in diesem Zusammenhang wurden auch die vier Wandteppiche präsentiert. Links des Eingangs zum Oberlichtsaal hing der Wandbehang von Schütz-Wolff, rechts davon der von Winter. Auf der anderen Seite befanden sich die Arbeiten von Mögelin und dem Ehepaar Vahle. So standen sich die beiden figürlichen und die beiden abstrakten Wandteppiche diagonal gegenüber und repräsentierten, ganz im Sinne Wieses, »die heutige Leistungsfähigkeit und künstlerische Spannweite der deutschen Wandteppichkunst«.

»Diese Präsentation bietet eine seltene Gelegenheit: Zum ersten Mal seit über fünfzig Jahren sind alle vier Wandteppiche wieder gemeinsam zu sehen. Solche Konstellationen ergeben sich nur selten. Diese Wiedervereinigung, ergänzt um die Entwurfszeichnungen der Teppiche, macht nicht nur ein bedeutendes Kapitel der Museumsgeschichte erlebbar, sondern eröffnet auch einen einzigartigen Einblick in die Textilkunst der Nachkriegszeit«, sagt Dr. Wolfgang Glüber, Sammlungsleitung Kunsthandwerk.

Die Präsentation der wieder vereinten Wandteppiche bildet zugleich einen Schlusspunkt: Der Sammlungsleiter Kunsthandwerk, Dr. Wolfgang Glüber, verabschiedet sich mit dieser Ausstellung nach seiner dreißigjährigen Tätigkeit am Hessischen Landesmuseum Darmstadt in den Ruhestand.

Else Mögelin studierte unter anderen bei Johanes Itten, Paul Klee und Gerhard Marcks am Weimarer Bauhaus, arbeitete in der dortigen Weberei und viele Jahre als Leiterin der Textilwerkstatt der Stettiner Kunstgewerbeschule.
Von Else Mögelin stammen zahlreiche Bildwebereien in Kirchen, Museen, öffentlichen Gebäuden und in Privatbesitz. In kaum einer Nachkriegsausstellung zum Thema Textilkunst fehlen Werke aus ihrer Hand. Stilistisch schwer festzulegen, bewegt sie sich zwischen Expressionismus, Realismus, Symbolismus und naiver Kunst.

Johanna Schütz-Wolff beeinflusste als Leiterin der Textilklasse und Handweberei an der Burg Giebichenstein maßgeblich zahlreiche zeitgenössische und nachfolgende Generationen von Künstlerinnen und Künstler.
Mit ihren eindrucksvollen Arbeiten gehört Schütz-Wolff zu den meistbeachteten Künstlerinnen im Bereich Graphik und Textilkunst des 20. Jahrhunderts.

Zur jüngeren Generation gehörten das in Darmstadt ansässige Künstlerehepaar Fritz und Inge Vahle, das neben einem umfangreichen grafischen und malerischen Werk auch durch die Herstellung von Wandteppichen hervortrat.
Vor allem aus den 1950er Jahren existieren zahlreiche abstrakte Wandbehänge in Applikationstechnik, die von Inge und Fritz Vahle als Gemeinschaftsarbeiten hergestellt wurden.

Fritz Winter zählt zu den bedeutendsten Nachkriegskünstlern in Deutschland und zu den wesentlichen Vorreitern der Abstraktion in Europa. In seinem Werk bilden textile Arbeiten eine absolute Ausnahme. Es existieren nur zwei Bildteppiche nach seinen Entwürfen: Komposition 1952 (Ausführung Nürnberger Gobelinmanufaktur) und der 1956 von der Münchner Gobelin-Manufaktur gefertigte Wandbehang »Komposition« im Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Das Darmstädter Exemplar hatte auf der II. documenta in Kassel einen großen Auftritt.

 

Ort: Oberlichtsaal

Kurator: Dr. Wolfgang Glüber

@landesmuseumdarmstadt auf Social Media: Instagram, Facebook, YouTube, LinkedIn: #Textilebilder #landesmuseumdarmstadt

Pressematerial zum Download

Pressebilder

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Else Mögelin, Wandbehang »Ernte«

Else Mögelin, Wandbehang »Ernte« [Zuschnitt]
1956, Wolle, H: 422 cm, B: 352 cm,
Stiftung des Sonderbaufonds der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main
Foto: L. Breidert, HLMD © Hessisches Landesmuseum Darmstadt

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Wandtext zum Teppich von Else Mögelin

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5,3 MB

Ehepaar Vahle, Applikationsteppich

Ingeborg Vahle-Giessler und Fritz Vahle, Applikationsteppich [Zuschnitt]
1956, Verschiedene Textilien, H: 429 cm, B: 336 cm
Stiftung des Sonderbaufonds der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main
Foto: L. Breidert, HLMD © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

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Wandtext zum Teppich von Ingeborg und Fritz Vahle

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Fritz Winter, Wandbehang »Komposition«

Fritz Winter, Wandbehang »Komposition«
1956, Wolle, H: 413 cm, B: 344,5 cm, Ausführung: Münchner Gobelin-Manufaktur GmbH
Stiftung des Sonderbaufonds der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main
Foto: Mirja van Ijken, Hessen Kassel Heritage © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

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Wandtext zum Teppich von Fritz Winter

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Johanna Schütz-Wolff, Wandteppich »Frau und Knabe«

Johanna Schütz-Wolff, Wandteppich »Frau und Knabe«
1956, H: 440 cm, B: 350 cm, Ausführung: Münchner Gobelinmanufaktur GmbH
Stiftung des Sonderbaufonds der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main
Foto: L. Breidert, HLMD © Hessisches Landesmuseum Darmstadt

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Wandtext zum Teppich von Johanna Schütz

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Presserundgang im Mai 1958

Presserundgang zur Eröffnung der Gemäldegalerie im Mai 1958.
Rechts zu sehen der Applikationsteppich des Ehepaars Vahle. Im Vordergrund Direktor Erich Wiese und Pressevertreter.
Foto: Pit Ludwig

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Blick in die Präsentation »Wiederentdeckt!« 1

Blick in die Präsentation »Wiederentdeckt!« mit Wandbehang »Ernte« von Else Mögelin und Applikationsteppich von Ingeborg Vahle-Giessler und Fritz Vahle
Stiftung des Sonderbaufonds der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main
Foto: L. Breidert, HLMD © Hessisches Landesmuseum Darmstadt / VG Bild-Kunst, Bonn 2026

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Blick in die Präsentation »Wiederentdeckt!« 2

Blick in die Präsentation »Wiederentdeckt!« mit Wandteppich »Frau und Knabe« von Johanna Schütz-Wolff und Wandbehang »Komposition« von Fritz Winter
Stiftung des Sonderbaufonds der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main
Foto: L. Breidert, HLMD © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

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Blick in die Präsentation »Wiederentdeckt!« 3

Blick in die Präsentation »Wiederentdeckt!« mit Applikationsteppich von Ingeborg Vahle-Giessler und Fritz Vahle
Stiftung des Sonderbaufonds der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main
Foto: L. Breidert, HLMD © Hessisches Landesmuseum Darmstadt / VG Bild-Kunst, Bonn 2026

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Blick in die Präsentation »Wiederentdeckt!« 4

Blick in die Präsentation »Wiederentdeckt!« mit Wandbehang »Komposition« von Fritz Winter
Stiftung des Sonderbaufonds der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main
Foto: L. Breidert, HLMD © Hessisches Landesmuseum Darmstadt / VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Pressekontakt:

Yvonne Mielatz-Pohl (Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1
64283 Darmstadt

Tel.: +49 (6151) 3601-300

E-Mail: presse@hlmd.de

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Die Haupthalle im Eingangsbereich des Hessischen Landesmuseums

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