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Gerhard Richter, 1024 Farben, 1973, Foto: A. Ebert, HLMD © Gerhard Richter 2026 (08042026)

22.04.2026

Frischer Wind im Darmstädter Landesmuseum!

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt zeigt neu gestaltete Ausstellungsbereiche im Karl Ströher-Flügel + Aktionstag am 26. April 2026 von 11 Uhr bis 18 Uhr

Die drei Ausstellungsräume des Karl Ströher-Flügels erzählen ab dem 23. April 2026 vom künstlerischen Aufbruch nach dem Zweiten Weltkrieg, Alltagsobjekten und digitalen Ursprüngen. Die neu am Landesmuseum tätige Sammlungsleiterin Dr. Katrin Thomschke nutzt dafür den herausragenden Sammlungsbestand des Hauses und stellt zentrale Werke in den Dialog mit bislang selten gezeigten Arbeiten. Die Sammlungspräsentation wird ergänzt durch eine Leihgabe der Kunststiftung DZ BANK sowie eine Neuerwerbung der Beuys-Schülerin Ulrike Rosenbach, die das Landesmuseum erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

»Wir zeigen, wie spannend unsere Sammlung ist, wenn man sie neu befragt: Vertraute Werke treffen auf selten Gezeigtes und eröffnen überraschende Verbindungen – von der Malerei bis zur digitalen Welt. Wir freuen uns besonders, erstmals die im vergangenen Jahr erworbene Installation Das Bild der Frau in der Nachkriegszeit von Ulrike Rosenbach präsentieren zu können. Mit der Arbeit setzen wir einen feministischen Akzent und schlagen darüber hinaus einen gedanklichen Bogen zu Block Beuys«, sagt Julia Hillebrand, stellvertretende Direktorin.

Die drei Räume sind inhaltlich gegliedert in die Themen:

Aufbruch

Den Auftakt der chronologisch angelegten Sammlungspräsentation bildet die informelle Nachkriegsmalerei. Das Hessische Landesmuseum Darmstadt besitzt ein umfangreiches Konvolut informeller Werke, anhand derer sich diese Strömung innerhalb der westlichen Kunst der 1950er Jahre eindrücklich nachvollziehen lässt: Unter dem verbindenden Paradigma der Abstraktion wendet sich eine junge Künstlergeneration in Europa von klassischen Form- und Gestaltungsprinzipien ab und entwickelt neue Ausdrucksformen einer freien, gestischen Malweise.

In der Gegenüberstellung mit Damenkostümen aus den entbehrungsreichen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg sowie mit der Installation Das Bild der Frau in der Nachkriegszeit (1993/94) von Ulrike Rosenbach werden die Werke auf eindringliche Weise in ihren kulturhistorischen Kontext eingebettet.

Alltagsobjekte

Während die Vertreterinnen und Vertreter der abstrakten Nachkriegsavantgarde noch dem klassischen Tafelbild verpflichtet bleiben, geht es einer nachrückenden Künstlergeneration in den 1960er Jahren zunehmend darum, das zweidimensionale Bild zu überwinden und neue Ausdrucksformen für ihre Gegenwart zu finden.

Licht, Bewegung und industrielle Materialien werden zu zentralen Ausdrucksmitteln, Alltagsgegenstände zu künstlerischem Material. Positionen aus dem Umfeld der ZERO-Bewegung und dem Nouveau Réalisme – darunter Werke von Hermann Goepfert, Arman und Daniel Spoerri – zeigen, wie eng Kunst, Leben und Konsumkultur miteinander verflochten sind. Eine erstmals im Hessischen Landesmuseum Darmstadt präsentierte Arbeit der Künstlerin Annegret Soltau zeigt auf subtile Weise, wie die in den 1960er Jahren formulierte Idee einer Verschmelzung von Kunst und Leben in feministischen Positionen der folgenden Jahre radikal weitergeführt wird.

Digitale Ursprünge

Das Digitale ist keine rein technologische Errungenschaft, sondern eine Denkweise, die unsere Bilder seit Jahrhunderten formt. Menschen entwickeln seit den frühesten Höhlenmalereien über Schriftzeichen bis hin zu mathematischen Symbolen immer neue Systeme, um ihre Welt festzuhalten, zu beschreiben, zu strukturieren und mit anderen zu teilen. Als im ausgehenden 20. Jahrhundert Informations- und Kommunikationstechnologien in unseren Lebensalltag vorzudringen begannen, waren Strategien der Ordnung, Codierung und Rasterung längst Teil von visueller Kultur und künstlerischer Produktion.

Die präsentierten Werke von Gerhard Richter, Rosemarie Trockel und Clare Strand aus den 1970er Jahren bis in die Gegenwart sind keine digitalen Bilder. Ihre Ästhetik, Materialität oder Herstellung eröffnet jedoch Anknüpfungspunkte an digitale Prinzipien und lässt sich als gedankliche Brücke zu modernen Informationstechnologien lesen.

»Wenn digitale Prinzipien älter sind als der Computer, verliert das Digitale seinen Status als radikal Neues«, sagt Dr. Katrin Thomschke, »Es wird verständlicher, greifbarer – und stärker als Teil kultureller Praxis wahrgenommen. Wir möchten die Besucherinnen und Besucher einladen, im postdigitalen Zeitalter über die unsichtbaren Prozesse und Strukturen nachzudenken, die unseren digitalen Alltag bestimmen.«


Aktionstag

Anlässlich der Neupräsentation des Karl Ströher-Flügels lädt das Hessische Landesmuseum Darmstadt am Sonntag, dem 26. April 2026, zum Aktionstag »Come in!« ein. Von 11 Uhr bis 18 Uhr geben Führungen Einblicke in die Neugestaltung und eröffnen neue Perspektiven auf die Sammlung.

Ein Höhepunkt des Tages ist eine Musikperformance: In Kooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK) führen Lucas Fels und Jan Ickert gemeinsam mit Studierenden und Alumni Steve Reichs »Cello Counterpoint« (2003) für acht Violoncelli auf (Mufei Feng, Björn Gard, Elena Cappelletti, Katharina Graf, Jan Ickert, Alma Triller, Mirella Fucong Pérez Llucián, Lucas Fels). Die Verbindung von Musik und bildender Kunst schafft einen spartenübergreifenden Dialog und eröffnet neue Zugänge zur Ausstellung.

 

Das Programm

11.30 Uhr

»1024 Farben – Wir entdecken die Kunst der Moderne«

Führung für Kinder und Familien mit interaktiven, spielerischen und kreativen Elementen mit Eva Nebhuth (freie Kulturvermittlerin)

 

13.00 Uhr

Steve Reich, »Cello Counterpoint«, 2003

Musikperformance für 8 Violoncelli

Lucas Fels und Jan Ickert mit Studierenden und Alumni der HfMDK Frankfurt

 

13.30 Uhr

»Pinsel, Müll und Pixel – Kunst nach 1945. Blick hinter die Kulissen I«

mit Saskia Bernaroli (Volontärin Kunst- und Kulturgeschichte)

 

14.30 Uhr

Steve Reich, »Cello Counterpoint«, 2003

Musikperformance für 8 Violoncelli

Lucas Fels und Jan Ickert mit Studierenden und Alumni der HfMDK Frankfurt

 

15.00 Uhr

»Pinsel, Müll und Pixel – Kunst nach 1945. Blick hinter die Kulissen II«

mit Katrin Thomschke (Sammlungsleiterin Kunst 18.–21. Jhd. und Ethnologie)

 

16.00 Uhr

Steve Reich, »Cello Counterpoint«, 2003

Musikperformance für 8 Violoncelli

Lucas Fels und Jan Ickert mit Studierenden und Alumni der HfMDK Frankfurt

 

16.30 Uhr

»Aus dem Depot an die Wand. Konservatorische Aspekte der Neuhängung«

mit Sigrid Pfandlbauer (Restauratorin) im Gespräch mit Dr. Katrin Thomschke

 

Alle Angebote sind kostenfrei. Es fällt lediglich der Museumseintritt von 8 Euro, ermäßigt 5 Euro an.

Bitte beachten Sie: Tickets für die Musikperformance sind jeweils eine Stunde vor Beginn kostenfrei erhältlich!

Pressematerial zum Download

Bitte beachten Sie:
Die Pressebilder sind nur im Rahmen der Berichterstattung zur Neueröffnung bis zum 10. Mai freigegeben!


Blick in Neupräsentation im Karl Ströher-Flügel
Foto: L. Breidert, HLMD
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Blick in Neupräsentation im Karl Ströher-Flügel
Foto: A. Ebert, HLMD
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Bernard Schultze, Submarin, 1954-1955
Foto: A. Ebert, HLMD
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Gerhard Richter, 1024 Farben, 1973
Foto: A. Ebert, HLMD
© Gerhard Richter 2026 (08042026)

Ulrike Rosenbach, Das Bild der Frau in der Nachkriegszeit („Die Mutter“, „Ohne Titel“, „Ohne Titel“, „Ohne Titel“), 1993–96
Foto, L. Breidert, HLMD
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Hermann Goepfert, Kinetischer Lichtreflektor 33, 1963
Foto: L. Breidert, HLMD
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Gerhard Richter, Vermalung (grau), 1972
Foto: A. Ebert, HLMD
© Gerhard Richter 2026 (08042026)

Arman, Cast Your Ballots Here for a Cleaner Dwan Gallery (Poubelle automatique), 1962
Foto: Wolfgang Fuhrmannek
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Brigitte Meier-Denninghoff, Leichte Flächen (Form in Zinn Nr. 23), 1956
Foto: Wolfgang Fuhrmannek
© Stiftung Matschinsky-Denninghoff / Berlinische Galerie

Marcel Duchamp, Roue de bicyclette, 1913/64
Foto: W. Fuhrmannek, HLMD
© Association Marcel Duchamp / VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Ulrike Rosenbach, Die Bohrerin, aus: Das Bild der Frau in der Nachkriegszeit, 1993/94
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Pressekontakt:

Yvonne Mielatz-Pohl (Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1
64283 Darmstadt

Tel.: +49 (6151) 3601-300

E-Mail: presse@hlmd.de

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Die Haupthalle im Eingangsbereich des Hessischen Landesmuseums

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