Fr, 3. September 2010
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Der KeltenFürst vom Glauberg  

 

Das Vermächtnis der Kelten

Außergewöhnlich reiche Grabausstattungen aus der Zeit der Kelten, die man mit fürstlichen Inventaren des Mittelrheingebiets, des Saar-Pfalz-Gebiets oder Südwestdeutschlands vergleichen könnte, hatte man in Hessen bis in die jüngste Vergangenheit hinein nicht gefunden. Zwar kannte man vereinzelte Hinweise auf möglicherweise prunkvoll ausgestattete Gräber,doch blieben diese Indizien aufgrund fehlender Fundbeobachtungen fragwürdig. Erst am Glauberg kamen auch in Hessen prunkvolle Grabausstattungen zutage, die man als Fürstengräber zu bezeichnen pflegt.

Die Fürstengräber vom Glauberg

Unter einem nicht mehr vorhandenen, ehemals mächtigen Grabhügel wurden zwei Gräber geborgen, deren außerordentlich reiche Beigaben die Beigesetzten als »Große« ihrer Zeit auswiesen.
Gemäß der Sitte ihrer Zeit hatte man ihnen die Insignien ihres Ranges, die einstmals für alle sichtbaren Symbole ihrer Macht mitgegeben, wobei die Beigaben aus Grab 1 diejenigen aus Grab 2 an Menge und Qualität noch deutlich übertrafen. Der Goldschmuck aus Grab 1, darunter der einzigartige Halsring,weist seinen ehemaligen Träger als den Herrscher, den »Fürsten vom Glauberg« aus. Ihre Bestätigung findet diese Interpretation in der lebensgroßen Steinfigur, die in unmittelbarer Nähe des Grabes gefunden wurde.

Der Fürst vom Glauberg

Am 24. Juni 1996 war die Sensation am Fuße des Glaubergs perfekt. Neben dem großen Grabhügel fand man in einem Graben eine vollplastische und bis auf die Füße vollständig erhaltene Statue. Sie ist das detailreichste Abbild eines keltischen Fürsten aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., das wir kennen. Dargestellt ist ein voll gerüsteter keltischer Krieger, bekleidet mit einem Panzer, bewaffnet mit einem Schwert und einem Schild.Der »steinerne Fürst« trägt als Schmuck und sichtbares Zeichen seines Rangs einen Halsring, der demjenigen des in Grab 1 bestatteten Mannes entspricht. Auch der übrige Schmuck des »steinernen Fürsten«, der goldene Armring und der goldene Fingerring, begegnen uns als Beigaben in seinem
Grab. Für sich betrachtet stellt die Sandsteinfigur schon eine Sensation dar. Doch sie steht nicht allein. Zahlreiche Fragmente von mindestens drei weiteren, fast identischen Figuren wurden ebenfalls am Glauberg geborgen.

Konzeption
Dr. Bernhard Pinsker

Öffnungszeiten
Dienstag-Samstag 10–17 Uhr
Mittwoch 10–20 Uhr
Sonntag 11–17 Uhr

Führungen
Die aktuellen Termine entnehmen Sie bitte dem Kalendarium auf der Webseite oder in unserem Quartalsprogramm

Katalog
Im Shop erhältlich für 19,90 Euro
Keltenfürst
Sandsteinfigur des „Fürsten vom Glauberg‘‘
Zwei goldene, aus Perldraht gebogene Ohrringe
Fürstengrab 1 vom Glauberg
Bronzefibel in Form eines geflügelten Fabelwesens mit Pferde- und Menschenkopf
Fürstengrab 1 vom Glauberg
Keltische Bronzeschnabelkanne mit figürlichen und ornamentalen Ausgestaltungen
Fürstengrab 1 vom Glauberg

Workshops für Schüler
Workshop 1: Schmuck
Die Kelten besaßen eine ausgefallene Art des Körperschmucks, zu dem aufwändiger Hals- Arm- und Fußschmuck zählte. Die Betrachtung der Grabfunde der Keltenausstellung gibt den Schülern die Möglichkeit, Materialien und Techniken zu entdecken und diese im Workshop eigenständig auszuprobieren. Es kann Schmuck aus Glas, Ton, Draht, Stein gefertigt werden. Auch die Herstellung eines Torques (Halsreif) ist möglich.

Workshop 2: Skulpturen
In der keltischen Naturreligion, welche Seen, Tümpel oder Bäume als Sitz von jenseitigen Wesen ansah, besaßen Mensch/Tier/Fabelwesen einen großen Stellenwert in der darstellenden Symbolik. Die Schüler beschäftigen sich mit der plastischen Darstellung von Ausstellungsstücken, zum Beispiel der Statue des Fürsten vom Glauberg oder mythischen Verzierungen auf Alltagsgegenständen. Dafür werden die für Kinder gut zu verarbeitenden Werkstoffe Ytong und Tuffstein benutzt.

Workshop 3: Ornamentik
Die keltische Ornamentik, die in dieser Zeit alle Keltenstämme verband, zeugte von großem handwerklichen und künstlerischen Geschick und stand Einflüssen von außerhalb stets aufgeschlossen gegenüber. Es wurde entweder frei Hand, mit Lineal, Zirkel oder gar Schablonen gezeichnet. Bemalt wurden Stoffe, Schilde, Pergamente und ähnliches mit mineralischen Farbpigmenten, die seit eintausend Jahren nichts an ihrer Farbintensität eingebüßt haben. Schulklassen können Leinenstoff mit selbst angerührten Farben nach vorgegebenen oder auch anhand der Ausstellung selbst entwickelten Ornamenten bemalen.

Workshop 4: Spinnen, Weben, Filzen
Die Kelten nutzten unterschiedliche Techniken der Wollverarbeitung. Wie aufwändig die Herstellung von Stoff zu damaligen Zeiten war, können die Jugendlichen Schritt für Schritt nachvollziehen: Vom Spinnen des Fadens mit Hilfe einer Gewichtspindel, über das Stoffweben an einem Gewichtswebrahmen bis hin zum Filzen aus Wolle oder der Verzierung von Kleidung durch brettchengewebte Borten. Aus selbstgefertigten Filzkugeln können die Kinder und Jugendlichen Schmuckanhänger und kleine Glücksbringer an Lederriemen oder selbstgesponnenen Fäden herstellen.

Workshop 5: Metall
Die in der Ausstellung gezeigten Metallarbeiten bieten einen Einblick in das ausgeprägte handwerkliche Geschick keltischer Künstler und Handwerker. In diesem Workshop werden unterschiedliche Metalle bearbeitet. Es können Regenbogenschüsselchen (Münzen) aus Blei/Zinn gegossen und vergoldet werden, Messer aus Eisen kaltgeschmiedet, Zink- und Kupferbleche zu Schalen getrieben und Schmuck aus Kupfer gestaltet werden.

Die Workshops, die auf die jeweilige Altersstufe passend zugeschnitten werden, setzen sich zusammen aus einem kurzen Besuch der Kelten-Ausstellung und dem längeren handlungsorientierten Teil.
Dauer insgesamt ca. 2- 2,5 h
max. 25 Teilnehmer pro Workshop
Kosten: 50,- Euro + 2,50 Euro Materialkosten pro Schüler

Gruppenführungen durch die Keltenausstellung für Schulklassen 30 Euro + Eintritt pro Schüler (im Klassenverband), ermäßigt 2,- Euro

Anmeldung von Führungen und Workshops unter Telefon: 06151/165741, bitte 2 bis 4 Wochen im Voraus.
Goldener Halsring mit glattem Nacken- und ornamentalem Brustteil
Fürstengrab 1 vom Glauberg
Goldener Fingerring mit spiral- und kreisförmigen Ornamenten
Fürstengrab 1 vom Glauberg

Schlichter, geschlossener goldener Armring
Fürstengrab 1 vom Glauberg
Drei bronzene Armringe, einer schon antik zerbrochen
Fürstengrab 1 vom Glauberg

Bronzener Gürtelhaken mit figürlich gestalteter Hakenplatte
Fürstengrab 2 vom Glauberg