Zeichnungen von Alfred Kubin

Der bedeutende Zeichner und Illustrator Alfred Kubin (Leitmeritz, Böhmen, 1877 -1959 Zwickledt) schuf einige tausend Einzelblätter, Buchillustrationen, Mappenwerke und Einzelgraphiken sowie ein umfangreiches literarisches Werk. Die zwei kolorierten Tuschzeichnungen, die Dank der Freunde des HLMD aus einer Privatsammlung angekauft werden konnten, sind als Pendant gedacht. Kubin hat das eine Blatt „kluge Jungfrau“ (HZ 111184) und das andere „törichte Jungfrau“  (HZ 11185) betitelt, womit auf das bekannte Bibelgleichnis angespielt wird (Matthäus 25, 1-13). Zwar werden beide Figuren von einer Nischenarchitektur hinterfangen, die an gotische Gewändefiguren erinnert, jedoch zeigt Kubin keine nach einem Bräutigam ausschauhaltende Öllampenträgerinnen, wie etwa am Südportal vom Straßburger Münster. Kubins „kluge Jungfrau“ hält einen Spinnrocken empor und die „törichte Jungfrau“ ist als Tanzmariechen charakterisiert. Hier steht die vermeintlich Fleißige gegen die Faule, oder „Goldmarie“ gegen „Pechmarie“. Kubins künstlerische  Phantasie speist sich aus vielen Quellen, Schichten überlagern sich, darunter Assoziationen aus Erzählungen der Bibel genauso wie aus Märchen. Die beiden Blätter zeigen die für Kubin typische Zeichenweise mit der Feder, die den Tuschstrich in atomare Kleinstriche zerkleinert und eine zerfaserte, irritierende Welt auf dem Zeichenblatt hinterlässt.

 

 

Zeichnungen von Alfred Kubin

Zeichnungen von Alfred Kubin

Alfred Kubin, Die kluge Jungfrau, 1942, Feder in Schwarz, Aquarell

Zeichnungen von Alfred Kubin

Alfred Kubin, Die törichte Jungfrau, 1942, Feder in Schwarz, Aquarell

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