Malerei 16. - 18. Jahrhundert

In der Gemäldegalerie zeigt das Hessische Landesmuseum Darmstadt mehrere bedeutende Gemälde von Lucas Cranach d. Ä., darunter das Porträt des Kardinals Albrecht von Brandenburg als heiliger Hieronymus im Gehäuse (1525). Im selben Saal werden Baldung Griens »Christus als Gärtner« (1539) und Georg Penczs großes Bildnis des Nürnberger Goldschmieds Jakob Hofmann (1544) gezeigt, ferner die weltberühmte »Elster auf dem Galgen« (1568) von Pieter Bruegel d. Ä. als grandioser Entwurf einer poetischen und zugleich verstörenden »Weltlandschaft«.

Die Übergangszeit von Renaissance und Barock findet einen Schwerpunkt in der frühen deutschen Stilllebenmalerei der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Neben Werken von Peter Binoit und Gottfried van Wedig wird eines der schönsten deutschen Stillleben, Georg Flegels »Aprikosenzweig« (1630/39), präsentiert.

In der Nähe der deutschen Stillleben hängen Historien-, Landschafts- und Architekturbilder desselben Zeitraums überwiegend aus Antwerpener Produktion. In der flämischen Handelsmetropole waren die Maler so gut organisiert, dass sie sich auf Figuren, Landschaften, Architektur oder Stillleben spezialisierten und häufig gemeinsame Bilder schufen. Maler wie der in Antwerpen geborene Paul Vredeman de Vries führten diese Kooperation später im Amsterdamer Exil weiter: Die Vordergrundfiguren in seinem Perspektivstück »Esther vor Ahasveros« (1612) malte nicht er, sondern wahrscheinlich der junge Adriaen van Nieulandt. Auch im 18. Jahrhundert arbeiteten Landschafts- oder Perspektivmaler noch gelegentlich mit Figurenspezialisten zusammen, so etwa in Frankfurt am Main.

Die kleinformatigen Gemälde flämischer Maler werden in einem eigenen Kabinett gezeigt, was die Konzentration auf die delikate Malerei erleichtern soll. Ein barockes Bilderkabinett »à la mode française« wird hier nicht imitiert, da die seitensymmetrische Hängung einer solchen Bilderwand zentral komponierte Mittelstücke und paarweise komponierte Seitenstücke erfordert. Auf Philipp Benders „Ansicht der Großherzoglichen Gemäldegalerie“ (1824/30) ist zu erkennen, dass die Darmstädter Galeriedirektion im 19. Jahrhundert die dichte Präsentation einer barocken Bilderwand zwar beibehielt, die seitensymmetrische Wandkomposition aber zugunsten einer didaktischen Hängung nach Malerschulen aufgab.

Im Untergeschoss der Gemäldegalerie hängen sowohl mittelgroße und großformatige flämische Gemälde der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts als auch Werke des »holländischen Klassizismus« aus der zweiten Jahrhunderthälfte, darunter der große »Narcissus« (1675/80) von Gérard de Lairesse. Das bedeutendste Gemälde ist hier Peter Paul Rubens »Dianas Heimkehr von der Jagd«. Dargestellt ist die spannungsvolle Begegnung der keuschen Jagdgöttin Diana und ihrer Nymphen mit lüsternen Satyrn. Rubens hat dieses große Gemälde entworfen und führte es um 1623 mit Hilfe von Mitarbeitern in seiner Antwerpener Werkstatt aus. Die Malerei der Tiere und Früchte übertrug er einem Antwerpener Kollegen, dem Stilllebenspezialisten Frans Snyders.

In der Sammlung holländischer Meisterwerke des 17. Jahrhunderts sind die Amsterdamer Rembrandt-Schule und die Malerei im nahegelegenen Haarlem besonders gut vertreten. Von Dirck Dircksz. van Santvoort, dem damals führenden Amsterdamer Kindermaler, wird das Bildnis eines kleinen, reich gekleideten Knaben mit Rohrstock (1644) gezeigt und von Jan Porcellis eine kleine, überragend gemalte Uferansicht, die um 1622/24 in Haarlem entstand. An die Präsentation der holländischen Malerei schließt sich ein Kabinett mit Werken niederländischer und deutscher Maler an, die in ihren Bildern den „Traum vom Süden“ entstehen ließen.

Auf den »Blick des Fremden nach Italien« folgen Gemälde von italienischen Malern aus dem 17. und 18. Jahrhundert, darunter Domenichinos »Bildnis eines jungen Mannes« (1603), das trotz des eher kleinen Bildformats eine monumentale Wirkung erzielt. Der italienischen Malerei sind Beispiele aus dem französischen Barock gegenübergestellt, wobei die Spannbreite von Louis Le Nains »Beweinung Christi« (um 1640) bis zu Philippe Jacques Loutherbourgs reizvoll überspitztem »Rendez-vous« (um 1770) reicht.

Zwischen dem »Flämischen Kabinett« und der Barockgalerie sind Kopien ausgestellt, denen schon in der Frühzeit der Darmstädter Gemäldegalerie ein eigener Saal im Residenzschloss gewidmet war.

Zur Darmstädter Musikgeschichte wurde ein Raum mit Hörstationen und Instrumenten eingerichtet. An diesen schließt sich ein Ausstellungsraum mit deutscher Malerei des 18. Jahrhunderts an. Eines der eindrucksvollsten Exponate ist hier das empfindsame Bildnis einer aristokratischen Malerin (1790/95) von Johann Baptist Lampi d. Ä. Die Frankfurter Goethemaler um Christian Georg Schütz d. Ä. sind in der Sammlung traditionell gut vertreten; von Schütz selbst zeigt die Galerie Landschaftsbilder, ein Wandgemälde und ein Kircheninterieur. Der Saal schließt mit Meisterwerken von Darmstädter Hofmalern unter Landgraf Ludwig VIII. Von Johann Christian Fiedler sind drei Selbstbildnisse aus unterschiedlichen Stationen seines Lebens ausgestellt. Johann Conrad Seekatz, einer der wichtigsten Maler der deutschen Aufklärung, ist unter anderem mit dem gewitzten »Dreikönigsspiel« (1762-1764) vertreten.

Mediathek Malerei 16.-18. Jh

Malerei 16.-18. Jh

Paul Vredemann des Vries, Esteher vor Ahsveros, 1612

Malerei 16.-18. Jh

Domenichino, Bildnis eines jungen Mannes, 1603

Malerei 16.-18. Jh

Georg Flegel, Aprikosenzweig, 1630/39

Malerei 16.-18. Jh

Johann Baptist Lampi d. Ä., Bildnis einer aristokratischen Malerin, 1790/95

Malerei 16.-18. Jh

Johann Conrad Seekatz, Das Dreikönigsspiel, 1762-1764

Malerei 16.-18. Jh

Peter Paul Rubens Dianas Heimkehr von der Jagd, um 1623

Malerei 16.-18. Jh

Pieter Bruegel d. Ä., Die Elster auf dem Galgen, 1568

Malerei 16.-18. Jh

Louis Le Nain, Beweinung Christi, um 1640

Malerei 16.-18. Jh

Baldung Grien, Christus als Gärtner, 1539

Malerei 16.-18. Jh

Dirck Dircksz. Van Santvoort, Knabe mit Rohrstock, 1644

Malerei 16.-18. Jh

Gérard de Lairesse, Narcissus, 1675/80

Malerei 16.-18. Jh

Johann Christian Fiedler, Selbstbildnis, 1756

Malerei 16.-18. Jh

Lucas Cranach d. Ä., Porträt des Kardinals Albrecht von Brandenburg als heiliger Hieronymus im Gehäuse, 1525

Malerei 16.-18. Jh

Philipp Bender, Ansicht der großherzoglichen Gemäldegalerie, 1824/30

Malerei 16.-18. Jh

Philippe Jacques Loutherbourg, Rendez-vous, um 1770

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