Dr. Norbert Micklich
Ruperltonfische

Rupeltonfische aus der Tongrube Unterfeld

Der Rupelton wurde im Oligozän (vor ca. 32 Millionen Jahren) am Grund eines Meeresarmes abgelagert, der von der damaligen Nordsee bis in den Oberrheingraben und das Mainzer Becken reichte. Die Grube Unterfeld bei Rauenberg (besser bekannt als Tongrube Frauenweiler) ist einer der letzten Aufschlüsse, in der diese Ablagerungen noch zugänglich sind. Berühmt wurde sie vor allem durch die Entdeckung des weltweit ältesten Kolibris, doch auch andere Vogelarten und sogar Reptilien und Säugetierreste wurden hier gefunden. Besonders bedeutend ist die dortige Fischfauna. Die Vielfalt des Artenspektrums und die Überlieferung feinster Skelettdetails ermöglichen ein breites Spektrum von Untersuchungen, vor allem im Hinblick auf heutige Formen. 

Die Grube wurde 2011 von der Gemeinde Rauenberg übernommen. Sie ist inzwischen fast vollständig mit Abraum und Bauschutt verfüllt, ein Großteil des Geländes wird von einer Photovoltaik-Anlage bedeckt. Dankenswerterweise wurde ein Restareal für paläontologische Ausgrabungen ausgespart. Dennoch sind weitere Baggerarbeiten notwendig, um das Areal für den Fortgang der Grabungen zu erschließen. 

Erfreulicherweise hat die Klaus Tschira Stiftung für die nächsten drei Jahre beträchtliche Fördermittel für die Grabungen und Forschungen zugesagt. Das HLMD als Mitantragsteller wird sich vor allem den Fischfunden widmen. Hierbei sollen zunächst einmal die Makrelenartigen (Scombroidei) erfasst und katalogisiert werden. Dies ist eine besonders vielfältige Gruppe, in der mit zahlreichen neuen Gattungen und/ oder Arten gerechnet werden kann. Hierfür stehen Personal- und Reisemittel zur Verfügung, mit denen sich Dr. Kenneth A. Monsch von Naturalis in Leiden dieser Aufgabe annehmen wird. 

Ein weiteres Forschungsprojekt befasst sich mit den Schiffshaltern (Familie Echeneidae). Die Rückenflosse dieser weitverbreiteten Gruppe pelagischer Fische ist zu einer Haftscheibe umgewandelt. Mit ihr saugen sie sich an größeren beweglichen Objekten, insbesondere anderen Fischarten, fest und lassen sich mitziehen, um von deren Mahlzeiten zu profitieren. Aus der Grube Unterfeld sind einige hervorragend erhaltene Exemplare bekannt. Sie sollen mit Funden anderer Lokalitäten verglichen werden, um die stammesgeschichtlichen Verhältnisse dieser interessanten Fischgruppe weiter zu klären. 

Kontakt

Dr. Norbert Micklich
T 06151 1657-061


Publikationen (Auswahl)

Unterstützt durch

Dr. Norbert Micklich - Rupeltonfische

Dr. Norbert Micklich - Rupeltonfische

Makrelenartiger Fisch aus der Tongrube Unterfeld. Sammlung SMNK.

Dr. Norbert Micklich - Rupeltonfische

Detail vom Schädel eines Schiffshalter-Fundes aus der Tongrube Unterfeld mit Saugscheibe (Inv.-Nr. HLMD-WT 36, bedampft mit Ammoniumchlorid)

Dr. Norbert Micklich - Rupeltonfische

Detail eines gefärbten Aufhellungspräparates mit der Saugscheibe eines heutigen Schiffshalters (Remora remora, Inv.-Nr. HLMD-SMFR 309)

Dr. Norbert Micklich - Rupeltonfische

Detail eines heutigen Schiffshalter-Kopfes (Remora remora) mit Saugscheibe. Gefärbtes Aufhellungspräparat, Leihgabe (Scripps Institution of Oceanography, La Jolla, CA, Inv.-Nr. SIO 72-287)

/
X
00:00