Planetengötter und Sternatlanten

Heutige Astronomen können Milliarden Lichtjahre weit ins All blicken. Vor 500 Jahren – das Fernrohr war noch nicht erfunden – sah unser Bild vom Himmel ganz anders aus. Die Ausstellung der Graphischen Sammlung liefert anhand von druckgraphischen Werken Einblicke in die Vorstellungen vom Universum und das wachsende astronomische Wissen der Neuzeit.

Die frühesten Exponate sind aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts als das ptolemäische Weltbild herrschte und die Erde der Mittelpunkt des Kosmos war. Die Darstellung der 7 Planetengötter, deren Namen - Apoll, Luna, Mars, Merkur, Saturn, Venus, Jupiter - der griechischen Mythologie entstammen, war in der Renaissance verbreitet genauso wie im Manierismus und Barock, wo die Sagen der Himmelsgötter beliebte Motive für die künstlerische Virtuosität abgaben. Hendrick Goltzius ließ 1588 vier Himmelsstürmer durch die Lüfte taumeln, als warnende Beispiele für Menschen, die es mit den Mächten des Himmels aufzunehmen versuchen und ins Bodenlose fallen. Da mit der Erfindung des Teleskops im Jahr 1608 immer mehr Sterne und Nebel gefunden und katalogisiert wurden und die antiken Sternbilder Teile des Himmels auslassen, brauchte man neue Sternbilder, um die Übersicht zu bewahren. Die „Harmonia Macrocosmica“ des deutsch-niederländischen Mathematikers und Kosmografen Andreas Cellarius aus dem Jahr 1660 ist eines der spektakulärsten Kunstwerke in der Geschichte der Astronomie. In Faksimiles sind die 29 extragroßen kolorierten Karten sowie das gebundene Original der wertvollen Erstausgabe zu bewundern. Die Darstellung des Himmels entwickelte sich sowohl in wissenschaftlicher als auch in künstlerischer Hinsicht weiter, bis im Jahre 1801 die „Uranographia“ des Johann Elert Bode erschien. Der Sternenatlas besteht aus 20 Karten im Format 103 cm × 70 cm und ist damit bis heute der Atlas im größten Format. Die Kupferstiche sind sehr filigran und detailreich, sie zeigen insgesamt 99 Sternbilder und die bis dahin bekannten 17240 Fixsterne. „Uranographia“ gilt als letztes Meisterwerk der künstlerischen Himmelskartographie.

Mit über 80 Exponaten zeigt die Ausstellung wie Raum und Zeit in der Vergangenheit künstlerisch interpretiert und mathematisch konstruiert wurden. Zur Visualisierung eines immer komplizierter werdenden Weltbildes entwickelte man die unterschiedlichsten Modelle. Sie erzählen von frühen inzwischen längst verworfenen Interpretationen des Universums, vor uns stehen untergegangene Welten. Es sind historische Wissensspeicher von beachtlicher wissenschafts- und technikgeschichtlicher Bedeutung, aber auch von großem kulturwissenschaftlichem und vor allem ästhetischem Reiz.

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Veranstaltungsort

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Karl Freund-Galerie
Friedensplatz 1
64283 Darmstadt


Kontakt

Dr. Mechthild Haas
T 06151 1657-050


Laufzeit

8. Juni bis 3. September 2017

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