Die Geschichte des heutigen  physikalischen Kabinetts beginnt mit dem Vermächtnis der Großen Landgräfin von Hessen-Darmstadt Karoline Henriette (1721-1774), die in der zweiten Hälfte des 18. Jh. mit ihrem Kreis der Empfindsamen (Goethe, Wieland, Herder und Merck) Darmstadt prägte. Sie hinterließ ihrem Sohn, dem späteren Landgrafen Ludwig X. und seit 1806 Großherzog  Ludewig I. (1753-1830), neben anderen Sammlungen ein Naturalienkabinett, zu dem auch physikalische Geräte gehörten. Als Erbprinz hatte Ludwig sich für die physikalischen Probleme seiner Zeit interessiert. Zu seiner von der Mutter geplanten Ausbildung gehörte ein dreijähriges Studium, dass er als sechzehnjähriger Student in Leyden begann, an einer Universität, deren naturwissenschaftliche Fakultät einen anerkannten Ruf hatte und die über eine umfangreiche Bibliothek verfügte. Auch verbrachte er mehrere Jahre in Paris, Petersburg und Berlin, wo er von den Veränderungen und Neuerungen in allen Bereichen der Gesellschaft Kenntnis erhielt.

Beim Aufbau des Physikalischen Kabinetts unterstützten ihn der Kabinettssekretär Ernst Schleiermacher (1755-1844)  und der Kriegsrat Johann Heinrich Merck (1741-1791). Für den Physikunterricht am Pädagog, für Vermessungen, für meteorologische Beobachtungen und für das Kabinett wurden von tüchtigen Handwerkern Geräte angefertigt. Großherzog Ludewig I. ließ das »Physikalische Kabinett« Anfang des 19. Jahrhunderts zu einer Bildungsinstitution umfunktionieren. Mit der Leitung betreute er 1808 seinen Patensohn Ludwig Johann Schleiermacher (1785-1844), Lehrer für Mathematik und Physik  am Darmstädter Pädagog. Im Physikalischen Kabinett hielt Schleiermacher bis 1840 in Winterkursen Experimentalvorlesungen in Physik für die Darmstädter Bevölkerung.

Mit der Einstellung der Vorlesungen und der Aufstockung der Darmstädter Realschule zur Höheren Gewerbeschule 1836 ging die technische Ausbildung in deren Hand über.

Mit dem Tod Schleiermachers hörte die zweckmäßige Verwendung und bedauerlicherweise auch die sachlich notwendige Pflege und Verwahrung der Geräte völlig auf. Sie wurden in den Speicherräumen des Residenzschlosses irgendwo verstaut. Mit dem Umzug in das neue Museumsgebäude im Jahr 1906 entsann man sich auch dieser Sammlung. Das Ministerium des Innern beauftragte den Lehrer für Physik am Neuen Gymnasium in Darmstadt, Prof. Dr. W. Fischer, die Sammlung zu ordnen und zu registrieren. Das geschah auch, und die Gerate wurden in dem ausgebauten Dachraum über dem Barocksaal des neuen Hauses in Schränken sachgemäß verwahrt. 1952 begann Rudolf Krause mit der erneuten Inventarisierung der Objekte. Die schriftlichen Unterlagen Fischers hatten sich nicht erhalten. Die Betreuung des Physikalischen Kabinetts im Hessischen Landesmuseum erfolgte immer ehrenamtlich, wobei Rudolf Krause, Ernst Prieger und Kurt Hemmerling in temporären Ausstellungen besondere Instrumente aus den Sammlungen des Physikalischen Kabinetts zeigten. Von 1992 bis 2007 wurden in zwei Vitrinen physikalisch-mathematische Instrumente im HLMD ausgestellt. 

Mit der Gründung des Vereins Ehrenamt für Darmstadt 1994 begann Kai Boysen mit der Betreuung des Physikalischen Kabinetts und wird seit 2014 von Günter Sauer unterstützt. 

Im halbjährlichen Turnus wird beginnend mit dieser Präsentation das Physikalische Kabinett zu einem Thema dem Publikum vorgestellt. In der ersten Präsentation werden Vermessungsinstrumente gezeigt, die aus dem Nachlass von Landgraf Ernst Ludwig (†1739) stammen.

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Veranstaltungsort

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Gemäldegalerie
Friedensplatz 1
64283 Darmstadt


Kontakt

Kai Boysen und Günter Sauer
T 06151 1657-017


Laufzeit

29. September bis 02. April 2018


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