Eine Chocolatiére von Frank Paul Scheidecker

Aus der Zeit, als man noch echte Schokolade und nicht aus Pulver angerührten Kakao trank, stammt diese in Frankreich entstandene Chocolatiére. Die hohe, schlanke, leicht gebauchte Kanne, versehen mit einem ohrenförmigen Ebenholzhenkel, hat in ihrem Deckel eine verschließbare runde Öffnung, durch die ein dazugehöriger Holzquirl gesteckt werden kann. Durch ihn wurde die Schokolade schaumig gerührt. Die Wandung wird bestimmt durch einen Wechsel aus glatten Silberflächen und aufgelegten, gesägten Zierbändern in amorpher Gestaltung. Am Deckel, eingebunden in das Ornament, finden sich die Initialen „FS“, die den Entwurf dem französischen Maler und Aquarellisten Frank Paul Scheidecker zuweisen. Scheidecker begann um 1900 auch Gebrauchsgerät zu entwerfen, ab 1902 ist er mit kunsthandwerklichen Objekten auf den Pariser Salons vertreten. Die Ausschnittsarbeit, die auch bei der Kanne zu sehen ist, ist ein typisches Gestaltungselement für ihn. Die Ausführung übernahm wahrscheinlich der Pariser Silberschmied Émile Bergeron, dem die Meisterpunze am Boden der Kanne zugeschrieben wird.  Entstanden dürfte die Chocolatiére vermutlich zwischen 1905 und 1910 sein. In das Landesmuseum kam sie als Geschenk einer Darmstädter Familie.

Kontakt

Dr. Wolfgang Glüber
T 06151 1657-011

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